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Der Traktordoktor aus der Südeifel meinte, dass ich ja hier auch mal unsere 2003er Reise reinmachen könnte.
Sein lange vermisstes Tourtagebuch, welches sich in den Tiefen seiner Festplatte dann doch noch finden ließ, ist schon drin. Als nächstes kommen dann noch die Bilder.
Stand 14.9.2008
Also schaut mal wieder rein demnächst.






















Tourtagebuch Marokko 2003

 

Nach hektischen Vorbereitungen, der Anhänger für 4 Motorräder musste Bremsenmäßig gewartet werden (kam eben von Italien), mein Motorrad war noch nicht eingestellt, Viktors R80 G/S ( seine R 100GS PD war ihm zu schade) hatte noch keine Koffer gehabt, ging es los.        

Treffpunkt war bei Erich in Kalterherberg. Meine R 1100 GS hatte Viktor samt Anhänger mitgenommen, um den Rest Erichs R1100 GS, Arnos F 650 PD und Viktors R 80 G/S zu verladen. Arnos Auto, ein Chrysler Voyager mit 4 Einzelsitzen und Tempomat sollte unsere Zugmaschine sein.

Samstagabend 29.03.

Wir treffen uns bei Erich. Er und Arno sitzen schon einige Stunden am PC um eine geplante Route in ihr Garmin GPS einzugeben. Das Restliche Allgemeingepäck (Lebensmittel Werkzeug etc.) ist verteilt, das Auto beladen.

 

Sonntag 30.03. 6 Uhr

Nach gemeinsamem Frühstück (Viktor musste unbedingt noch zu Hause Schlafen oder hat schnell noch sein Testament gemacht) starten wir um 7 Uhr.

Über Eupen auf die Autobahn Richtung Paris, Bordeaux, Madrid, Malaga. Mit Tempo 110 – 130 legen wir die 2400 km in 26 Stunden quasi non Stopp zurück, was bei 4 Fahrern kein Problem ist. Geplant ist, den Pkw samt Anhänger auf einem Campingplatz abzustellen.

Der erste den wir sehen, „ La Rosaleda“ in Fuengirola (Malaga) gibt uns für 160 Euro die 2 Stellplätze  (incl. einer Übernachtung für die Rückfahrt) bis zum 26. April.

Es ist 10 Uhr morgens. Jetzt beginnt die Rödelei, Mopeds beladen und abfahren.

GPS sei dank verfahren wir uns direkt in der Stadt. Arno hat etwas Wichtiges vergessen, wir müssen es noch holen. Zu bemerken ist, dass Arnos linkes Bein oberhalb des Knies amputiert wurde und er Zuckerkrank ist. Deswegen kann er sich mit seiner Prothese links nicht gut abstützen. So kommt es zu den ersten Umfallern, glücklicherweise harmlos.

 2. Versuch. Über die Brücke geradeaus war nichts, rechts rum Sackgasse. So geht es links 200 m gegen die Fahrtrichtung über die Abfahrt auf die Autobahn bis nach Algeciras rein in den Hafen.

 Es ist kurz vor 14 Uhr und die Fähre fährt uns vor der Nase weg, da wir noch Tickets kaufen müssen, für 66 Euro hin und zurück Motorrad und 1 Mann Besatzung.

Zwei Stunden Pause bis 16 Uhr verbringen wir mit Ausruhen und einem kleinen improvisierten Imbiss.

Die Überfahrt verläuft kurz, aber kaum 500 m aus dem Hafen ist Viktors Kaffeemühle trocken. Den Reservekanister hatte er nicht gefüllt und 30 km vor Algeciras schon auf Reserve umgeschaltet, aber nicht getankt, obwohl er 50 m vor einer Tanke stand.

Ich machte mich auf um Benzin zu holen, dauert fast eine halbe Std., da Ceuta voller Umleitungen ist und ich auf die andere Stadtseite wollte und nicht daran dachte, das auch beim Hafen Tankstellen sind. Das alles hält auf. Wir fahren noch kurz zum Monte Hacho (sehr schöne Aussicht bis rüber nach Gibraltar) um nach einem kurzen Imbiss über die Grenze zu fahren.

 

An der Grenze ist das übliche Chaos. Rechts ist der Übergang für die Einheimischen und links für Touristen und andere Ausländer.

  Unbedingt sollte man sich nicht anquatschen lassen und direkt durch das Tor (Zaun mit Sperrschild) durchfahren, sonst ist man schon Geld los, ehe man überhaupt an der Grenze ist.

Im Grenzbereich sind Marokkaner mit einem Ausweis, die  den Leuten bei den Grenzformalitäten helfen.

Zuerst wird ein Zettel ausgefüllt. Dieser mit dem Reisepass eingereicht. Für das Fahrzeug geht man mit grüner Versicherungskarte zur Registratur. Von dort wird man, wen die Karte nicht für Marokko gültig ist, zum Versicherungsbüro geschickt, um eine Marokkopolice abzuschließen ( 840 DH für 4 Wochen). Geld tauscht man in der Wechselstube (Kurs 1 Euro z.Z. 10,90 DH). Mit Versicherungsschein zum Registrieren, dann noch mal Ausweis vorzeigen, Gepäckkontrolle, Helfer entlohnen, 50 m weiter nochmals Papiere vorzeigen, dann ist man durch.

Afrika du hast uns.

Mittlerweile wird es dunkel. Mohammed hat uns an der Grenze noch Cabo Negro als Campingplatz empfohlen, doch bis dahin ist es stockdunkel.

Vor Tetouan an einer Kreuzung spricht Erich einen Mann an. Wir bekommen eine leerstehende Wohnung die frisch renoviert ist als Quartier. Die Motorräder können wir in der Werkstatt darunter parken, d. H. Rödelei. Koffer runter (Viktor muss Schrauben). Ich passe mit 1 m Breite haarscharf noch hinein. Bis zum 3. Stock ist es hoch. Doch 2 Tage ohne richtigen Schlaf sind genug. Mit blanken Nerven gehen wir schlafen.

Dienstag 01.April

Auf geht’s. Frühstück in der Pampa ist angesagt. Auf einer Straßenbegrenzung geht es prima.

Die Straße direkt an der Küste ist uns vom Zustand her zu unbekannt. Deswegen fahren wir etwas weiter südlich mitten durchs Riffgebirge.

Über Tetouan und Chefchauen die 39 bis vor Torguist, dort links ab Richtung Küste. Über das Massif des Bokkoyas Ait Kamara Izemmouren nach Al Hoceaima. In der Stadt stärken wir uns, kaufen ein und fahren zum Campingplatz direkt am Mittelmeer.

Fast eine halbe Std. dauert es, bis wir hineinkönnen. Der Service ist perfekt. Guter Zeltplatz mit warmer Dusche und Bewachung. Mindestens 2 Polizisten laufen rund um die Uhr Streife.

Unser 2-Zimmer-mit-Vorraum-Zelt steht schnell. 4 Stühle und ein Tisch machen das Abendessen und das Frühstück am anderen Morgen perfekt. Platzkosten für alles 50 DH. Frisches Brot Croissants gibt es 500 m entfernt.

Mittwoch 02. April

Nach so einer Nacht macht es nun richtig  Spaß in die Berge hinein zu fahren. Saftige grüne Wiesen, Felder und kleine Dörfer wechseln sich mit kargeren Landschaften ab. Die höher gelegenen Regionen sind weniger bewachsen. Es geht bis an die 2000m Hinauf und wieder runter auf 500. Nächster Punkt ist Taza, eine größere Stadt.

Bleifreies Tanken ist nicht überall möglich.

Hinter Taza nach Süden über Col de Sidi-Moybeur. Es fängt eine fantastische Gebirgslandschaft an. In einem kleinen „Straßencafe“ Kaufladen mit Tisch vor der Tür stärken wir uns und nehmen eine kurvenreiche immer mehr ansteigende Gebirgslandschaft in Angriff. Fruchtbare Felder, Erbsen und Bohnen sind um diese Zeit schon reif, ein Bachlauf, sogar ein Wasserfall lassen fast nicht glauben, das wir in Marokko sind. Die Aussicht auf Taza im Tal und die Landschaft wird, je höher wir kommen, immer besser. Bab Taka 1540, Merkraoua, Tizi-Oulmou 1800 Tamtrouchte sind Wegpunkte.

Der Joel bou Iblane, es geht gegen 3000m hoch ist uns jedoch für den heutigen Tag zu ungewiss. Seit Taza ist uns kein Ort mit Einkaufsmöglichkeit mehr begegnet. Wir befinden uns in einem Flusstal und beschließen, außerhalb zu übernachten, an einer Flussbiegung neben der Straße unmittelbar vor dem Bergaufstieg im Nationalpark Aus unserem Vorrat gibt es ein provisorisches Abendessen, ebenso wie das karge Frühstück am anderen Morgen. Mitten in der Natur ist es wunderbar ruhig, nur der Hahn fängt mitten in der Nacht an zu krähen.

Donnerstag 03. April

Wie die Gämsen klettern wir auf den Berg. Bis auf fast 3000 m schrauben wir uns hoch. Es ist noch frisch, aber die Aussicht von den Pässen ist famos. Immer wieder sieht man kleine Dörfer oder einzelne Häuser, die in den Hängen nur über Pisten oder sogar nur Pfade zu erreichen sind. Mehrmals müssen wir halten, da die Esel der Bewohner es nicht gewohnt sind, wenn Fahrzeuge an ihnen vorbeifahren.

Unser Etappenziel ist eigentlich eine Plantage nahe Beni Tajjite. Doch es soll anders kommen. Ob es an der Karte liegt, oder am GPS das Erich zum ersten Mal auf einer Tour dabei hat, wir sind ca 25 km von Missour entfernt, fahren jedoch im Kreis. Und dann geht uns im Dorf El Kabir auch noch die Straße aus. Es ist 14 Uhr, der Frühstückskaffee fehlt noch und die Einheimischen, die uns den Weg erklären, schicken uns auf die Piste, d.h. einen Feldweg, der übergeht in eine Trasse, die einmal Strße werden soll.

 Da wir bei der Schule halten, sind wir direkt von 30 neugierigen Kindern umringt. „Stilo,Stilo“ fordern sie, doch soviel Kugelschreiber können wir doch nicht haben und deshalb gibt es keinen. Arno und Erich fotografieren und lassen die Kleinen die Bilder ansehen, das gibt Spaß. Gestärkt mit dem letzten deutschen Schwarzbrot, einer Dose Wurst und frischem Wasser nehmen wir die Piste in Angriff.

 Da die Trasse  vor dem Winter hergestellt wurde, ist sie in miserablem Zustand. Spurrillen, Schotter, Schlammlöcher, vom Wasser quergespülte Rinnen; und das mit vollem Gepäck Arno schmeißt das Motorrad mehrmals und ist sauer. Auch Viktor hat seine Probleme, doch bergab geht es einigermaßen, weil über Teerstraße zurück macht unser Treibstoffvorrat nicht mehr mit. In Imouuzzer des Marmoucha genau wie in Ait-Makklouf ist keine Tankstelle. Hinter Ifkern haben wir dann Glück. Unser Etappenziel rückt in die Ferne, nachdem es kein Bleifreies Benzin gibt und wir nach Boulmane zum Tanken fahren. n 30 km vor Midelt, kurz hinter einem Marktort übernachten wir preiswert 127 DH für alles mit warmer Dusche auf einem Campingplatz an der Straße. Nach einem Festmenü, Gemüseputzen auf der Toilette wegen dem Licht, sieht der Tag anders aus, bzw. die Nacht

Freitag 04.April

Ein gutes Frühstück ist die Grundlage für einen erfolgreichen Tag. Heute wollen wir zu meinem Freund Thomas auf die Plantage bei Beni Tajjite. Doch es kommt wieder einmal anders als man plant.

Ca. 20 km vor Rich, der Stadt, hinter der wir von der Hauptstraße Richtung Rachidia nach Gourrama abbiegen sollen, legen wir eine Kaffeepause ein. Zweckmäßigerweise findet es sich, das eine Telefonboutique direkt neben der Kaffeebar ist. Der kurze Anruf zu Hause ist schnell gemacht. Aber der Anruf bei Said, meinem Marokkanischen Freund ändert den Fahrplan. Da er zu Hause ist, in Ait Youssef dem Hauptort des Ziz Tales, beschließen wir, ihn zu besuchen.

Said ist Berber und in einem typischen Dorf unterhalb der Straße nach Rachidia hinter dem Tunnel du Legionnaire zu Hause.

So wie wir von der Straße abbiegen glaubt man, das man in ein anderes Jahrhundert kommt. Es gibt keine befestigte Straße und bis auf wenige Ausnahmen nur Häuser aus Lehm. 1999 wurde das Dorf elektrifiziert. Erst in 2002 hat jedes Haus einen Wasseranschluss erhalten. Mit dem Strom hat auch der Fernseher Einzug gehalten, aber sonst lebt man noch wie früher.

Das Haus besitzt zwar etwas wie eine Küche, aber gekocht wird auf dem Feuer in dem Schuppen vor dem Haus. Im „Wohnzimmer“ findet man rundherum Kissen, in der Mitte einen niedrigen Tisch. Schränke kennt man kaum, man hat ja auch fast nichts für hinein.

 Said ist gelernter Friseur, arbeitet aber als Fremdenführer. Mit ihm machen wir einen Rundgang durchs Dorf, besichtigen die alte Kasbah und die Moschee, die Gärten am Fluss. Gegenüber der Dorfeinfahrt führt eine Straße zu einer weiteren großen Kasbah die sehenswert ist, alleine schon wegen der Aussicht über das Flusstal.

 Es gibt viel zu erzählen und zu fragen, so das wir auf Saids Einladung hin, nach einem köstlichen, von seiner Schwester zubereitetem Cous Cous Mahl im Wohnzimmer übernachten.

 

Samstag 05.April

Zum Frühstück gibt es Whisky –Maroc den typischen stark gesüßten Pfefferminztee, Olivenöl und Brot. Eigentlich schade, dass wir weiter müssen, denn in Saids Haus fühlt man sich wohl.

Mit Said fahren wir nach Rich, wo er mit dem Bus weiterfährt und wir die ersten Reparaturen, ein Packsack und ein Schuh sind defekt, durchführen, um nach einer Stärkung bei Hassan einem Imbiss direkt beim zentralen Busbahnhof, den Weg zur Plantage von Thomas zurückzulegen. Über Gourrama geht es Richtung BeniTajjite. Groß sind die Augen von Mohan und Lasser, den Nomadenkindern von Ali, der bei Thomas arbeitet, als wir zu viert aufkreuzen. Ali, ein sehrnetter Nomade wohnt im Zelt hinter dem „Herrenhaus“. Nach dem Abendessen, welches anstatt auf dem Benzinkocher heute auf Gas im Haus zubereitet wird, sind wir auf einen Tee im Nomadenzelt eingeladen. Ali, seine Frau, drei Kinder und die Oma leben im Einklang mit der Natur. Wir werden Zeuge einer Eselsgeburt.

 

Sonntag 06.April

Frühstück am Tisch in der Sonne, das bringt es. Tagestour ist angesagt, aber ohne Gepäck.

Bei Beni Tajjite besuchen wir ein Bergwerk. Blei wird hier wie im Mittelalter abgebaut. Über 90ß% reines Blei, teilweise Faustgroe Klumpen. Mehrere Frauen sitzen da und befreien das Bblei von Steinablagerungen mit dem Hammer oder sortieren Bleiklümpchen aus.

 Vollgetankt am sonntäglichen Markt vorbei verlassen wir die Stadt über Ait Sebban und Beni Bassia Richtung Bouanane nahe der algerischen Grenze. Wieder einmal werden  wir von der Polizei kontrolliert, aber nicht ganz so ausführlich wie am Vorabend. Da hat man uns den Pass regelrecht abgeschrieben, Nach  der Tochter unseres Großvaters gefragt usw. alles zu unserer Sicherheit. Wo kommen wir her, wo wollen wir hin?

Von Bouanane über Boudnik führt die Straße nach Errachidia. Zurück nach Beni Tajjite gibt es eine Abkürzung durch ein wunderschönes Flußtal. Doch Vorsicht, die Piste fängt gut an. Über Kadussa bis Atchana läßt es sich noch relativ gut fahren. Aber dann hört es auf. Erst ist der Weg fast nicht zu erkennen, dann muss man immer wieder trockene Wasserrinnen überqueren. So schön wie das fruchtbare Tal bis Atchana ist, so schwierig ist die Piste bis Beni Tajjite.

Selbst geübte Fahrer sollten dies Strecke nicht alleine angehen. Ohne Teamwork klappt es stellenweise überhaupt nicht. 2 Blinker, ein Spiegel und eine Motorschutzplatte sind die Verluste. Mit Einbruch der Dunkelheit sind wir erschöpft in Beni Tajjite, halten vor einem Geschäft und werden direkt von vielen Menschen umringt. Marokkaner sind freundlich aber fast aufdringlich neugierig. Wir sind froh, als wir raus sind und im Dunkeln unser Quartier erreichen. Wir sind geschafft, aber das einhellige Resümee: Superaffentittengeile Tour.

 

Montag 07.April

Abschied von der freundlichen Nomadenfamilie. Ali mit gekonntem Turbanhelm fährt noch mit bis Gourrama zum Markt. Wie bereits 2 Tage zuvor lassen wir einen Gepäckträger schweißen. Ist eben Verschleiß.

Über Errachidia mit einem vorzüglichen Mittagsmahl bei der blauen Quelle geht es nach Erfoud. Die Piste von dort nach Merzhouga erweist sich für Viktor mit seinem Postmoped mit den Riesenkoffern als unfahrbar. Durch den Umweg zurück über Rissani, der Weg nach Merzhouga ist von da aus mittlerweile gheteert,ist es fastwieder einmal dunkel, als wir unser Hotel Auberge Atlas du Sable in Merzhouga erreichen. 150 DH Übernachtung mit Abendessen und Frühstück, das geht.

 

Dienstag 08. April

Sonnenaufgang und Sandspiele in den Dünen sind angesagt. 5 Uhr Wecken, 5,30 Uhr ab in Richtung große Sanddünen. Arno unser Kameramann ist heiß. Gilt es doch Wüstenbilder für unseren Film zu drehen. Ohne Gepäck probieren Erich und ich, Was mit einer ausgewachsenen Kuh alles machbar ist. Gas geben 2. Gang einlegen, Kupplung los, so klappt selbst im Tiefsand das Anfahren. Mit Schwung kriegt man selbst 260 kg BMW über eine Sanddüne. Doch selbst Arno mit seiner Beinprothese schießt über den  Sandhaufen. Nur Viktor will nicht: „ Das dauert zu lange, wenn ich jetzt die Koffer abschraube bin ich nachher nicht rechtzeitig fertig.“ Was solls.

Frühstück und ab Richtung Thodraschlucht. Über Erfoud an einer pockennarbigen Landschaft ( alte Quellen) über Goulmima ab Richtung Schlucht. Eine abwechslungsreiche Landschaft. In der Schlucht ist Tourirummel. Erich, der das erste Mal um 1970 hier war, kennt sich nicht mehr zurück. Wir wollen einen Kaffee trinken und dann zum Dadestal, wo in einem Berberhotel übernachtet werden soll.

Arno macht uns jedoch einen Strich durch die Rechnung. Es ist ihm nicht gut. Er hat sich zwar am Morgen das Schienbein poliert, aber Magenkrämpfe setzen ihn außer Gefecht und uns ins nächste Hotel. Mit ärztlicher Versorgung und freundlicher Unterstützung des Hotelpersonals bringen wir ihn zu Bett. Gute Besserung.

 

Mittwoch 09. April

Wir sind im Hotel Yasmin in der Thodraschlucht, und zwar genau dort, wo die Felsen ganz eng beieinander sind und sich senkrecht über mehr als hundert Meter erheben. Arno hat ein Einzelzimmer im ersten Stock und ist, nachdem er gestern auch wegen seiner Prellung am Bein ärztlich versorgt wurde, auf dem Weg der Besserung.

Das Hotel ist sauber, aber für große Menschen sind die Betten zu kurz. Unsere Mopeds hatten wir hinter dem Hotel auf einem bewachten Parkplatz abgestellt. Jedoch erhebt sich wenige Meter neben unserem Frühstückstisch der Wächter von der Bank, wo er sich in eine Decke eingewickelt hatte um in dem Zelt vor dem Hotel zu schlafen.

Weil Arno nicht kann, nehmen wir die Schluchtrunde zu dritt in Angriff. Wir fahren die Thodra hinunter bis zur Stadt Tinerhir, die 53 km bis nach Boumalne Dades und hinein in die Dadesschlucht. Die Landschaft ändert sich immer wieder. Zwar ist es zwischen den Städten relativ gerade, aber Höhenzüge mit den unterschiedlichsten Schichtungen ziehen den Blick nach links und rechts. In Boumalne Dades ist Markt. Ein regelrechtes Menschengewimmel. Nur im Schritttempo geht es durch die Stadt. Dahinter beginnt das eigentliche Dadestal. Im Fluß ist noch Wasser. Die Felder sind saftig grün. Palmen, Feigen, Walnussbäume, Getreide und Gemüsefelder wechseln sich links und rechts des Flusses ab. Über der Flußaue beginnt eine steinige, steil aufsteigende Gebirtgslandschaft. Die Straße windet sich am Berg entlang. Je  nach form des Tales ist auch die Straße. Im Anfang sind es Schlaglöcher, Die Straße ist wie ein Sieb, die uns einen Vorgeschmack auf das machen, was noch kommt. Doch dann, wo es enger und steiler wird, ist der Weg sehr gut. Wir kommen an dem Berberhotel vorbei, das eigentlich gestern unser Ziel war. Die Straße schraubt sich nach oben, immer steiler. Die Aussicht wird immer interessanter. Bleibt doch im Tal am Fluß ein grüner Streifen, auf dem Ackerbau betrieben wird.

Bis Msemrir ist Teer. Von dort gibt es a) die Piste Bis Agoudal die relativ gut befahrbar sein soll und b) die Möglichkeit über Tamtattouche eine 40 km Hammerpiste mit Spurrillen, Kies Stein und Lehmpassagen und einem 2800 m hohen Pass , auf dem es sogar schneite, als wir ihn passierten. Denkt man, der Abstieg sei einfacher, so irrt man. Vorbei an engen Felsklippen, an Höhlen und einsamen Nomadenzelten kommt man zu ca. 20 cm hohen Felsplattentreppen, die teilweise auch noch schräg sind....

Immer wieder gibt es auch Kinder, die um etwas bitten. Für diese Strecke sollte man wirklich ein par Kleinigkeiten einstecken, denn diese Leute tun einem wirklich Leid.

Auf dem letzten Stück der Piste treffen wir auf 3 Nomaden, Opa , Sohn und ein Alter auf einem Esel. Mit Französichbrocken und ein par Zigaretten wird der Weg schnell erklärt. Dann wird geladen. Opa und Sohn wollen auch nach Tamtattouche. 2 km weit klappt alles, dann ist mein Motorschutzblech, das ich Sonntags in Atchana erstmals abmontiert hatte, schon wieder fällig. Letzte Schraube ab, aufladen, Opa drauf, weiter geht’s.

Den Tee in der ersten Ortschaft haben wir uns redlich verdient. Wir sind im Todratal, es gehr zurück abwärts zum Hotel. Arno geht es etwas besser und Erich braucht Ersatz für seine verlorene Brille, den es wohl in Tinerhir gibt. Vor einem Cafe an der Hauptstraße belagert die Schuhputzergilde direkt unsere Motorräder. M’hamid, ein Junge aus Imilchil und Mohammed helfen uns weiter. M’hamid bietet uns noch eine kurze Stadtführung an und leitet uns in ein Haus in dem Teppiche verkauft (evtl. auch hergestellt) werden. Geschickt wird über die Einladung zu einem Tee ein Geschäft eingefädelt. Wunderschöne Exemplare zeigt die Schwester des Kaufmannes uns. Mit seiner Telefonnummer und einer Einladung zum Frühstück (dann müssten wir wohl kaufen) verabschieden wir uns.

 Zurück zu unseren Motorrädern, gibt es für uns einen Tee und für die Schuhputzer die versprochene Arbeit. Motorradstiefel, und dann noch so große, putzt man nicht jeden Tag. Entlohnt wird hinterher. Der Anführer bekommt etwas mehr fürs Motorradhüten.

Mohammed fragt Erich, ob er mitfahren darf. Wir vermuten, er ist im Tal zu Hause. Beim Hotel stellen wir den Irrtum fest. Nicht schlimm. Den kleinen Freund (14 Jahre) laden wir kurzerhand zum essen ein.  Er sagt kein Wort, schüchtern sitzt er am Tisch. Ob er jemals ein solches Haus von innen gesehen hat? Aber was solls. So geht ein ereignisreicher Tag zu Ende.

Donnerstag 10. April

Beim Frühstück ist Mohammed schon etwas aufgetaut. Wir Packen und nehmen ihn wieder mit zur Stadt, wo ich bei einer Werkstatt die Teile für meinen Motorschutz bekommen kann. Original Mercedes, irgendwo 5 min mit dem Pkw entfernt geholt. Auch M’hamid und die Schuhputzer sind sofort wieder da. Deutsche Motorradfahrer sind wohl gerne gesehen.

 Das Ziel heute ist Zagora. Über Quarzazate das Dra-Tal hinunter 350 km. Es gibt aber über Ikniouen und Nekob eine 40 km lange Piste durchs Gebirge, die gut befahrbar sein soll. Arno, noch nicht ganz fit würde lieber Straße fahren, was nach verschiedenen Auskünften jedoch 500 km weit sein soll. Eigentlich war vereinbart, umzukehren, falls die Piste schwierig wird. Diese Entscheidung nahm Arno uns ab, als er bei einem Halt an dem wir uns über den Zustand der Piste erkundigten durchfuhr. Nach 30 km in einem Cafe treffen wir ihn wieder. Wunderschöne Aussichten und regelrechte Berg und Talbahnen sind hinter uns. Mit Gepäck nichts für ungeübte Fahrer und auch nichts für alleine.

Bis Nekob sind es aber nochmals 30 km. Es ist zwar etwas leichter zu fahren, dafür wird es immer wärmer. Das schafft uns. Von Nekob bis Zagora ca . 100 km gute Straße, kein Problem. Vierspurig führt die Straße in die Stadt. Das gefällt uns so nicht. Da es bereits dämmert und wir vor der Stadt schon Quartiermöglichkeiten gesehen haben, fahren wir zurück. Etwa 10 km vor der Stadt liegt unterhalb der Straße eine Kasbah, daneben  im Palmengarten ein Campingplatz. Alles was wir brauchen. Ein Zimmer für Arno, Duschen, Küche, Wohnzimmer im Schatten von Palmen und Bambusgeflecht und als Schlafgelegenheit ein offenes Nomadenzelt mit Teppichen auf dem Boden. Herz was willst du mehr als einen guten Kus-Kus zum Abendessen. Wir sind die einzigen Gäste und werden hervorragend bewirtet.

 

Freitag 11. April

Ruhetag, Relaxen, ausruhen. Zum Frühstück gibt es Berberpizza, ein doppelter Pfannkuchen mit undefinierbarer Füllung. Lecker, dazu Tee oder Milchkaffee bis zum Abwinken.

Erich und ich möchten durtch den Palmengarten einen Rundgang machen. Als wir losgehen gesellt sich Mohammed der Neffe des Platzbesitzers zu uns. Mit ihm machen wir einen wunderschönen Rundgang durch den Palmenhain bis zum Fluss. Wir beobachten die Steinherstellung aus Lehm und begutachten das Bewässerungssystem. Nach 1 ½ Std endet diese Führung in der Kasbah am Campingplatz, dem Zuhause Mohammeds. Auch bei den hohen Temperaturen, Arno misst 38 Grad im Schatten, ist es in den Lehmburgen angenehm. Primitiv wird dort auf einer offenen Feuerstelle gekocht. Rauch zieht von den verbrannten Palmenzweigen durch Löcher in der Decke. Die Tochter des Hauses stampft im Nebenraum wohl Getreide in einem Mörser klein. Eine Rosenblüte, die ich ihr gebe entlockt ihr ein freudiges Lächeln. Freundlichkeit lohnt sich immer wieder.

 Gegen 15,30 Uhr beginnen wir zu dritt plus Führer eine Kaffeefahrt, die uns jedoch bis zum 100 km entfernten M’hamid, dem letzten Ort vor der Wüste führt. Dieser Ort ist in einem Oasenwald gelegen aber direkt auf Touri ausgelegt. Nach einem Drink geht es zurück, es wird bald dunkel.

Unser Wirt auf dem Campingplatz hatte uns gestern schon ein hervorragendes Cous Cous serviert. Deswegen gibt es heute Tajine. Mit Tee und Hand und Fuß Gesprächen geht ein schöner Tag zu Ende.

Erwähnen muss ich noch, dass der Campingplatz noch im Aufbau ist. Aber wenn man nicht unbedingt Europäischen Standard braucht, so ist er einer der schönsten, die wir bis jetzt in Marokko gesehen haben.

 

Samstag 12. April

Nach Berberpizza und Aufrödeln durch das Draa-Tal flussaufwärts nach Quarzazate. Am Fluß entlang schlängelt sich die Straße durch grüne Felder.

Arno verabschiedet sich und nimmt den geraden Weg nach Mirleft um dort in einem kleinen Hotel einige Tage Erholungsurlaub einzulegen. Er hat immer noch Probleme mit seiner Gesundheit. Gute Besserung.

Eigentlich sollte Quarzazate unser Etappenziel sein. Doch der Campingplatz ohne Schatten, fast zubetoniert und dazu voller Wohnmobile schreckt uns ab. So bleibt es mit Quarzazate bei einem Mittagessen, welches wir ein einem Nobelrestaurant stadtauswärts genießen.

 Karges Gebirge, kurvenreiche Strecken führen uns Richtung Atlas. Über den Pass Tizi-n-Tichka kommen wir in eine total andere Landschaft. War die eine Seite noch grau und trocken, ist  es jetzt fast wie in den Alpen so grün. Von 2260 m Höhe windet sich die Straße ins Tal hinab. Grün und gelb von Blumen, Getreidefelder in der Blüte, Nadelbäume, ob das noch Marokko ist?

 Es geht auf Marakesch zu. Das Land wird flacher, die Felder größer. Trotzdem, die Hirten mit ihren Schafherden sieht man immer wieder. Waren es nahe der Wüste Kamele und Ziegen, werden es neben Eseln, Schaf- und Ziegenherden die vielfach von Kindern gehütet werden. Auch Kühe gibt es. Diese werden einzeln gehütet. Mit unseren Kühen kann man sie nicht vergleichen. Sie sind kleiner und mager, so wie früher bei uns das Glanvieh.

Tradition und Moderne treffen immer wieder aufeinander. Sieht man links große moderne Getreidesilos, sind rechts Menschen in den Feldern von Hand Kraut am jäten. Kommt man an Fabriken vorbei, sind in kleinen Werkstätten am Straßenrand kleine Handwerksbetriebe zu finden. Autos werden vor der Tür zerlegt, manche Mechaniker bewegen sich zwischen Schrott und alten Teilen auf gestampftem Boden. Alles Spezialisten. Aber irgendwie geht es immer wieder weiter. Es wird improvisiert, Umweltschutz und Arbeitssicherheit kennt man kaum. Elektrogeräte halb defekt, kaputte Stecker, blanke Kabel, es funktioniert eben noch. Ich könnte noch stundenlang über Solches berichten.

Es wird Abend. In einem Marktort decken wir uns mit dem nötigen ein, um eine Nacht zu zelten. Etwa 20 km vor Tahanaout bietet sich ein Platz unter Bäumen abseits der Straße an.

 

Sonntag 13. April

Aus drei Richtungen ruft der Muezzin. Ein wunderschöner Sonnenaufgang mit herrlichem Ausblick auf den Atlas mit seinen schneebedeckten Bergspitzen verspricht einen guten Tag. Doch wo es grün ist, gibt es auch Wetter. Innerhalb von 10 Minuten ziehen Nebel und Wolken auf. Egal, es geht weiter nach Imlil. Über Asni 17 km weit in das Tal, von dessen Ende der höchste Berg Marokkos zu erreichen ist. 10,30 Uhr ist noch früh. In dem Bergort grünt und blüht es wunderschön. Viktor ist unlustig. Erich und ich möchten jedoch zu Fuß den Ort etwas erkunden. Ein Marokkaner bietet sich als Fremdenführer an. Jedoch mit seiner Forderung, anfangs 250 DH später noch 100 für 2 Stunden  kann er bei uns nichts reißen. Nach 300 m kehrt er um. Es geht auch ohne ihn. Das Dorf hinauf, dann rechts entlang eines Bewässerungskanals gelangen wir mitten hinein in die mit Obstbäumen bepflanzten Hänge. Häuser, die nur zu Fuß erreichbar sind und die Dorfbewohner bei ihrer alltäglichen Arbeit lassen unsere Blicke schweifen auch über das blühende Tal. Einfach Klasse. Ein kleiner Junge, der im Garten arbeitet, spricht uns an. Gerne führt er uns um den Berg zu einem Wasserfall. Wir laden ihn und seinen Freund ein, uns bis ins Dorf zu begleiten. So ist es, Nehmen und Geben.

Von Asni führt der Weg ins Gebirge über Ijoukak (Tizi-n-Test) und den Paß.100 km Kurvenfahren bis zum Pass auf 2800 m Höhe und wieder 100 km hinunter. Schade, das oben Wolken sind. Etwas tiefer ist die Sicht famos. Rechts und links ein Bergzug, dazwischen öffnet sich ein Tal, das immer breiter wird. Die Richtung ist Agadir. In Taroudant kehren wir im Hotel Salami ein. Wir genießen den Abend bei einem Essen auf dem Platz im Stadtzentrum. Eine Stadt mit ihren vielen kleinen Geschäften hat ihr eigenes Flair.

 

Montag 14. April

Nach dem Frühstück werden wir noch einen kleinen Bummel durch das Marktviertel machen. Taroudant hat noch seine Stadtmauern mit einem riesigen Marktviertel. Waren am gestrigen Abend schon viele Buden in den engen Gassen geschlossen, so ist es jetzt überall betriebsam. Wie Kunstwerke fast werden Schuhe als Vorhänge vor dem Geschäft aufgehängt. Mühlsteine für Oliven, Mörser zum Getreidestampfen sind neben modernen Elektrogeräten zu finden. Gewürze, bei uns in kleinen Dosen sind in 5, oft sogar in 1o kg Behältern offen ausgestellt. Kaffee, Erbsen. Bohnen etc., Sackweise. Freundlich werden unsere Fragen beantwortet. Französisch, Englisch sogar Deutsch wird gesprochen, Händler sind begabt. Man erfährt so auch das eine oder andere, z. B. das Bleipulver zum Schminken verwendet wird. Lippenstift (Rouge)mit einem roten Stein gemacht wird. Safran, Henna, zum Färben und Bemalen. Safran, ein Gewürz so teuer fast wie Gold, kostet hier noch 10 DH pro Gramm. Interessant sind immer auch die Metzger. Jeder ist spezialisiert. Sein Laden ist etwa 12 qm groß. Meistens gibt es nur einen Kühlschrank, Haken an der Decke und die Theke. Je nach Spezialisierung hängen Geflügel, Ziegen, Schafe oder Rinderteile im Laden. Bei Geflügel kann es sogar sein, das der Hühnerstall im Laden integriert ist. Fleisch wird meistens vom Stück geschnitten. Eine Zerteilung wie bei uns kennt man nicht. Sauberkeit hat auch ihre Grenzen. Aber es wird ja noch gekocht oder gebraten.

Eine Schreinergasse, bestimmt an die 30 Schreinereien mutet fast wie eine Produktionsgasse. Mit geringem Maschinenbestand, Säge-Hobel-Fräskombination und viel Handarbeit stellt jeder sein eigenes Produkt her. Fenster Türen, Schränke etc. Schuster ebenso. Jeder Handwerker ist auf ein Produkt spezialisiert,

Bei einem Tee auf dem Marktplatz und der Generalüberholung von Erichs Schuhen lassen wir das Shopping ausklingen. Im Hotel Salami bezahlen wir 460 DH für das 3-Bettzimmer. Nach dem Aufrödeln geht es weiter.

Zurück Richtung Gebirge wollten wir bei Ait Yazza auf Irherrn an fahren. Erich verpasst die Abzweigung und merkt erst einige km weiter, dass etwas nicht stimmt. Eine Polizeikontrolle fordert Papiere. Als sie jedoch den deutschen Reisepass sehen, werden sie sofort freundlicher, klopfen uns auf die Schulter und wünschen eine gute Fahrt. Es fällt auf, das wir als Deutsche besser angesehen sind, als andere Ausländer. Eindeutig ist die Ansicht, was Engländer und Amerikaner betrifft.

Über Aouluz bergauf in eine sanft gewellte Hügellandschaft hinauf über einen 1050 m hohen Pass bis Taliouine führt die Straße durch Getreidefelder und vorbei an einzelnen Bäumen. Wir biegen Richtung Irherrn ab. Hat es eben noch geregnet, macht uns nun der eisige Nordwind immer mehr zuschaffen. Nach der Karte sieht es nicht nach Hochgebirge aus. Die Gegend ist jedoch sehr steinig, karg und ungewohnt menschenleer. Höhenmäßig bewegen wir uns knapp um die 2000 m. Bei geschätzter Windgeschwindigkeit von ca. 100 km frieren wir mehr als in einem Europäischen Winter. Bei der oft wiederkehrenden Polizeikontrolle, diesmal in Irherrn muß neben dem Futter auch noch der Pullover unter die Jacke. Weiter durch die Einöde. Kein Ort an der Straße, alle abseits, bis Tiguermine.

Viktor hat mal wieder trocken gefahren und wir brauchen dringend eine Aufwärmpause. Der freundliche Wirt bringt neben heißem Tee auch einen Bottich mit Holzkohlen an dem wir uns halbwegs erwärmen können. Hatten wir heute Morgen noch die Absicht in Tafraoute zu zelten, so ist daraus der Wunsch nach einem Zimmer geworden.

Tafraoute erreichen wir über Tiozimlil 1662m und eine wunderschöne Abfahrt. Das Hotel Salami bietet für 200 DH ein Dreibettzimmer. Ok. Abladen, umziehen, ab in den Ort. Ein Marktviertel, einige Werkstätten und einige größere öffentliche Bauten prägen den Verkehrsknotenpunkt. Zwei in blaue Gewänder gekleidete Marokkaner sprechen uns an. Viktor hat mit 2 Sätzen den Fettnapf erreicht. Doch trotzdem lädt man uns zum Tee in ein in ein Berberhaus; d. h. ein Haus, in dem Teppiche und Schmuck der Nomaden, Tuareg und Berber verkauft werden. Mohammed, so stellt sich heraus, stammt aus Rissani, kennt meine Freunde aus dieser Gegend. Das Gespräch ergibt sich. Wie üblich wird geschickt übergeleitet auf das Teppichgeschäft. Unterschiedliche Herstellungsmethoden, gewebt, gewebt und geknüpft, gewebt und gestickt, glatte Teppiche der Tuareg aus der Wüste, Berberteppiche zweiseitig nutzbar, fantastisch schöne Stücke von verschiedener Größe und Farbe. Erich ersteht nach langem Handeln zwei kleine Stücke. Auch mir gefallen zwei ganz besonders, aber morgen ist auch noch ein Tag.

Mohammed empfiehlt das Restaurant Marrakesch. Für gerade mal 129 DH werden wir drei mit Suppe, Tajine, Brochette einem Cous Cous, einschließlich Tee und Dessert vorzüglich gesättigt. Mohammed erhält als Provision sogar noch eine Suppe umsonst. Bis zum Ladenschluss plaudern Erich und ich noch mit Mohammed, der ausgezeichnet Deutsch spricht. Der Handel, die Arbeit hier und bei uns zu Hause, die Kultur etc, es ist einfach schön und interessant.

 

Dienstag 15.April

Frühstück im Straßencafe. Es gibt Rührei, Kaffe und Tee. Zum ersten Mal schmeckt mir der Tee nicht. Er ist sogar so stark, das er wie dünner Kaffee aussieht. Dafür ist der Rest Klasse. Viktor nehmen wir in die Zange um ihm klarzumachen, was er mit seinem gestrigen  Verhalten für einen Schaden anrichten kann.

Die Motorräder werden beladen, dann geht es kurz zum Geschäft von Mohamme. Erich, der seine Brille in Merzouga verloren hat, ruft mit Mohammeds Hilfe dort noch einmal an. Ich kaufe jetzt auch noch zwei kleine Teppiche zu einem annehmbaren Preis. Sie werden eingepackt und eingenäht. Nach einem letzten Tee geht es weiter.

Der Napoleonfelsen, senkrecht aufeinander stehende Felsbrocken sind am Ortsausgang von Tafraoute ein Fotomotiv. Ein par Km weiter gibt es die „Painted Rocks“, die blau angemalten Felsen. Muß man in Marokko auch gesehen haben. Es gibt eine Piste dorthin, doch kurz vor einem stark ausgewaschenem Steilstück sagt selbst Erich, dass es nicht sein muss. Wir halten und drehen, aber für ein Foto hat es noch gereicht.

Über Tiznit wollen wir Mirleft, einen kleinen Ort am Atlantik ca. 120 km südlich von Agadir erreichen. Eine kurvenreiche Straße mit einem schönen Bergabstieg führt uns zur Küste.

Direkt am Strand wird gerade eine Promenade errichtet. Auf dem 200 m langen Plattenweg dürfen wir nicht bleiben. So geht es nach Mirleft. Im Zentrum einer Geschaäftsstraße mit beidseitigen Arkaden steigen wir im „Hotel du Sud“ ab. Unscheinbar aber einfach und schön, Dachbalkon mit Aussicht auf die Berge, andere Seite mit Meerblick, Innenhof, Zimmer ok. Achmed, der Kellner ist ein freundlicher Wirbelwind. Erzeigt uns die Zimmer und schleppt auch gleich Gepäck. Eine illustre Gesellschaft hat sich hier einquartiert.

Ein Abendessen mit gegrilltem Huhn, vorzüglichem Salat beschließt den Tag.

 

Mittwoch 16. April

Ruhetag, Erholung ist angesagt. Arno, der bereits seit Quarzazate vorgefahren ist, will nach Tan Tan, der Stadt, wo zwei Kamele das Stadttor bilden. Sein Hotel ist neben der Apotheke, wo ihn der Apotheker mit allem versorgt, was er für sein lädiertes Bein braucht. In unserem Hotel gibt es Festfrühstück mit Omelett, Kaffee, Kakao und frisch gepresstem Orangensaft. Gegen Mittag besuchen wir Tiznit. Ein Silberschmied zeigt uns seine Werkstatt, in der mit primitiven Mitteln Schmuckstücke hergestellt werden. Werden wir im Cafe Lavazza von Bettlern belästigt, so sind die Fakire oder Künstler auf dem Platz an der Stadtmauer einen Blick wert. Ein Affe sitzt umgehen auf meiner Schulter und laust mich. Schade, das der Apparat nicht funktioniert. Ein Schlangendompteur gehört in meinen Augen zu den Tierquälern. Nimmt er zu Anfang einen oder mehrere Schlangenköpfe in den Mund,hat er kurz darauf einer Schlange eine Echse in den Rachen geschoben und sie hinter dem Kopf abgeschnürt. Tanzen und Schlangenschmeißen gehen ineinander über. Etwas weiter werden Tänze aufgeführt.

Gegrillter Thunfisch, ein Essen ohne Arno, der von seinem Ausflug fertig ist, Über 500 km bis Tan Tan und zurück, dazu noch Sandsturm, beschließt den Tag. Bei Vollmond beobachten wir noch das Treiben in der Straße.

 

Donnerstag 17.April

Unser Festfrühstück findet heute auf der Dachterrasse statt. Mit Erich gehe ich zur Festung oberhalb des Dorfes. Dort gibt es sogar noch ein Nobelhotel mit Swimmingpool. Die Aussicht ist schön. Für den Nachmittag beschließen wir Guelmime zu besuchen, die letzte Stadt, ehe es richtig mit der Sahara im Süden losgeht. Tan Tan ist zu weit für das, was es dort zu sehen gibt.

Da wir lange nicht mehr im Gelände waren, nehmen wir von Sidi Ifni aus die Piste. Ohne Gepäck geht es mittlerweile ganz gut. Aber es gibt auch hier hakelige Stellen. Abfahrten und Auffahrten, teilweise schräg und ausgewaschen. Stücke mit grobem Geröll, Es macht trotzdem Spaß. Ohne GPS ist es jedoch schon schwierig, die Richtung zu halten. Vor einzelnen kleinen Ortschaften gibt es vereinzelt Hinweise, aber teilweise nur in arabischer Schrift. Eine Flussdurchfahrt, sogar ein Fluss mit Wasser, beendet bei der Ortschaft??? unseren Geländeausflug. Bis Guelmime sind es noch ca. 20 km schöne Teerstraße. Wir fahren durch ein fruchtbares Tal, das in eine Ebene übergeht. Die Straße nach Tan Tan zweigt ab und ist nach Erichs Aussage schnurgerade.

Guelmime ist eine lebendige Stadt mit eigenem Outfit. Wir sehen Fahrzeuge, die wir bisher noch nirgends gesehen haben. Beim üblichen Tee findet sich schnell ein Gesprächspartner, ein Marokkaner, der schon mal in Deutschland war.

Eigentlich wollten wir die vor der Stadt gelegenen heißen Quellen noch besuchen, aber es ist später, als wir dachten. Durch eine fruchtbare Hügellandschaft geht’s heimwärts. Wir beobachten Kamele, Kühe, Ziegen und Schafe. Das Getreide ist reif und wird geerntet. Nicht maschinell, sondern von Hand, regelrecht gepflückt oder mit der kleinen Handsichel abgeschnitten. Eine mühselige Arbeit. Esel, hoch bepackt mit Getreidestroh tragen die Ernte heimwärts. Richtung Mirleft wird die Gegend karger. Steine und Geröll, Kakteen bewachsene Flächen sind zu sehen.

 

Freitag 18. April

Es beginnt ein anderer Teil unserer Reise. Touriprogramm, oder Städte, die von Touristen in erster Linie aufgesucht werden, stehen auf dem Programm. Von Mirleft mit Tankstop in Tiznit geht es nach  Agadir, einer der modernsten Städte Marokkos. Ein kurzer Abstecher in den Hafen zum Teetrinken zeigt uns eine auswechselbare Promenade. Das hier könnte überall so sein, einschließlich Publikum.

Über Ballerbahn, gut ausgebaute Straße, erreichen wir Essaouira, eine ehemalige portugiesische Stadt mit Fischerhafen und Bootswerften. Die eigentliche Stadt wird von einer Mauer umschlossen, am Hafen steht die mittelalterliche Festung mit Kanonen. Fischer mit ihren Kuttern kann man beobachten. Fische, Krabben, Seeigel selbst Hummer, alles wird frisch zubereitet angeboten. Wobei man sagen muss, dass die Zubereitung lieblos ist. Erich und Viktor haben probiert. Der Fisch war gut gegrillt, aber einfach in der Mitte durchgehackt. Grätensalat.

Etwas anderes ist die Altstadt. Viele malerische Gassen mit kleinen Geschäften laden zum Bummeln ein. Intarsienarbeiten und Schnitzereien aus Wurzelholz sind die typischen Waren dieser Stadt. Aber durch den Tourismus haben alle üblichen Touriartikel Einzug gehalten. In einer Bäckerei, es duftet bis auf die Straße, erhalten wir die typischen leckeren Backwaren, ebenso wie einen Kaffee. Der Laden ist zwar klein, aber es macht Spaß, dem Bäcker zuzusehen. Seine Frau (vermutlich) arbeitet in der Backstube. Er verkauft die Waren und schäkert mit den Frauen, die zahlreich den Laden betreten. Interessant.

Der Tag vergeht im Nu. Regen zieht auf. Ein letzter Tee im Teehaus, wir sitzen unter Marokkanern, der Fernseher plärrt  in den Saal hinein, den man bei uns als Bahnhofshalle bezeichnen würde. Irgendwie ist der Menschenschlag hier wieder anders. Ob das wohl daran liegt, dass es hier überwiegend Fischer und keine Bauern sind?

Mit einem Taxi erreichen wir unser Hotel Villa Damonte. Dieses Haus muss man extra erwähnen. Waren wir schon einiges gewohnt, so ist dieses Haus die absolute Krönung. Statt Campingplatz mit Baton und Steinboden haben wir hier absoluten Luxus. Eine umzäunte Parkanlage und in der Mitte ein rustikaler großer Bau. Durch ein Holztor betritt man einen Innenhof, von ca. 20x30 m Ein Brunnen in der Mitte, rustikale Schmiedeeiserne Tische und Stühle, ein terrakottafarbener Fliesenboden lädt zum Verweilen ein. Rundherum Arkade, 2 Geschosse und als Dach eine bunte Zeltbahn. Blaue Fenster und Türen harmonieren mit weißen Wänden und dem Rest. Und dann die Zimmer. Rustikales Ambiente mit Säulen und Bögen, es passt einfach alles zusammen. Haben wir so etwas überhaupt verdient. In Deutschland wäre es unbezahlbar. Sogar ein Swimmingpool ist vorhanden. Nichts fehlt.

 

Samstag 19. April

Etappenziel Marrakesch. Schon Kilometerweit vor der Stadt wird die Bebauung immer dichter. Vierspurig geht es in die Stadt. Da wir bis jetzt meist schlechte Erfahrung mit Campingplätzen bei Städten gemacht haben, versuchen wir es hier nicht einmal. Im Zentrum liegt der Gare Routier Voyageur, der zentrale Busbahnhof. Wir halten und beratschlagen, als wir von Mustafa angesprochen werden. Er lotst uns zu einem Hotel, ca. 500 m vom Platz der Geköpften entfernt. Hotel Redoung, Vierbettzimmer mit Abendessen und bewachtem Parkplatz 785 DH , akzeptiert. Für 50 DH bringt Mustafa uns zum Arabischen Souk, einem riesigen Flohmarktviertel, wo es fast nichts gibt, was es nicht gibt. Hier wird einfach alles bis zur letzten Schraube recycelt. Die Verschiedenen Handwerker haben ihre Werkstätten, die man teilweise nur als schwarze Löcher mit Müll und Schrottfüllung bezeichnen kann. Auffallend ist, das sehr viele Arbeiten auf dem Boden erledigt werden. Wie üblich landen wir zum Tee im Teppichladen. Leider zwecklos. Mustafa verlässt uns. Mit einem Taxi landen wir auf dem Platz der Geköpften, ein riesiger Platz an dem sich ein Einkaufsviertel und viele kleine Gassen mit Geschäften aller Art anschließen. Es ist noch ruhig.In einer kleinen Gasse ist ein Hand- und Fußwerker. Er drechselt. Zwischen 2 Spitzen, die auf einem Brett verschiebbar montiert sind, spannt er das Holz ein. Die Vorrichtung steht auf dem Boden. Eine Kordel die um das Werkstück geschlungen wird und an einem Bogen befestigt ist, dient als Antrieb. Mit der rechten Hand wird der Bogen vor und zurück bewegt. Mit der linken Hand wird das Stemmeisern dass zum Drechseln gebraucht wird, am hinteren Ende gehalten. Mit den Zehen des rechten Fußes führt er das Eisen vorne am Werkstück. Ein unglaubliches Geschick, wenn man sieht, welche filigrane Arbeit mit dieser Methode hergestellt wird.

Vor einem Ledergeschäft entwickelt sich mit dem Inhaber und seinem Freund ein Gespräch. Für einen Tee nehmen wir im Ladeninneren Platz. Über 2 Std. unterhalten wir uns gut. Als Marokkobesucher haben wir nun die Gelegenheit, die Touris einmal aus einer ganz anderen Perspektive zu beobachten, und davon gibt es hier in Marrakesch reichlich.

Das eigentlich ursprüngliche, die Wollfärberei ist fast komplett verschwunden. Nur zwei Färbereien finden wir noch.

In der Dämmerung erreichen wir den großen Platz. War in den Gassen schon Gedränge, so ist hier jetzt die Hölle los. Gaukler, Schlangenbeschwörer, Affen, Musikanten und Wasserträger, ein buntes Bild. Dazwischen Leute, die ihre Spezialitäten und Waren feilbieten. Eine ganze Reihe Saftläden mit Zentnerweise Orangen, Nüsse, Feigen etc. zum Knabbern, Fressbuden, Garküchen um die rundherum Tische und Bänke stehen an denen die Leute wie an einem Trog sitzen. Stände mit Süßspeisen, Gaslampen, Petroleumlampen, Aggregate im Konzert mit den Musikgruppen. Man muss es einfach erlebt haben.

 

Sonntag 20. April

Von Marrakesch kommend gelangen wir über Sidi- Rahhai nach Demnate, einer Stadt in der gerade Markt ist. Ein reges Kommen und Gehen auf den Zufahrtsstraßen. Zu Fuß, mit Eseln, Taxis, auf der Ladefläche von Lkws kommen Menschen aus der Umgegend in die Stadt oder verlassen sie. Ein buntes Treiben. Weiter, Richtung Azila. Es geht durch fruchtbares Land mit riesigen Getreidefeldern. Bei Ait Tagulla biegen wir zu den Cascades dÒuzud ab. Ein schmaler Weg endet vor einer Häusergruppe. Mehrere Busse stehen auf einem Parkplatz. Um die Ecke, nur 150 m weit entfernt, gehen wir über mehrere kleine Wasserkanäle. Es öffnet sich eine Schlucht. Bestimmt 200 m tief stürzt sich das Wasser eines Flusses hinab. Im Tal tummeln sich viele Leute. Das erste Mal, das wir in Marokko ein solches Naturschauspiel sehen, das touristisch vermarktet wird. Im Oberlauf befinden sich noch mehrere Getreidemühlen, die mit waagerechten Mühlsteinen und Wasserantrieb Mehl herstellen. Viele Treppenstufen führen ins Tal, wo ein zweiter kleinerer Wasserfall zu sehen ist. Wir bleiben.

Zu zweit beschließen Erich und ich, nachdem wir den Wasserfall erkundet haben, mit dem Motorrad die Straße weiter zu befahren. Es lohnt sich wirklich. Eine schöne Berglandschaft, die Aussicht in den Gorges del`Quid el Abid ähnlich der Thodraschlucht, viele Kurven und 2 Pässe führen über 50 km bis zur Hauptverbindungsstraße Marrakesch-Fes.

Es ist fast dunkel, als wir zurück sind. Der Campingplatzinhaber, wie üblich haben wir einen der schönsten Plätze für uns alleine, wartet schon mit einem vorzüglichen Cous Cous mit Fleisch, Möhren, Kürbis, Erbsen, Rosinen köstlich aber einfach zu viel für uns. Ein Tee beschließt den Tag.

 

Montag 21. April

Ein wunderschöner Morgen, Wasserrausche und Vogelgezwitscher und ein selbstgemachtes Frühstück in der Sonne. Da schlagen wir richtig zu. Wer weiß, was heute noch alles auf uns zukommt. Mit vollem Gepäck verlassen wir das Tal auf dem Weg, den wir gestern gekommen sind. Über die Hauptstraße erreichen wir Azillal. Es wird vollgetankt, da wir eine kleine Rundtour über Ait-Mehammed und an ein par 3000ern entlang, vorbei an der Kathedrale, einer besonderen Felsformation, bis hin zum Stausee bei Quaouizahrt machen wollen.

Laut Karte schätzungsweise maximal 100 km. Doch es kommt wieder einmal ganz anders. 28 km hinter Azillal vorbei an Ait Mehammed geht die Straße, die aus einer schönen grünen Landschaft immer weiter nach oben führt, in Piste über. Diese fährt sich noch ganz gut, da zur Zeit noch Bautrupps an der Piste arbeiten. Bei einer Ruine, ca. km 40 nach Azillal, denken wir, das dies schon die Kathedrale sei. Einen Bauarbeiter verarzten wir. Sie beschreiben uns den Weg. Von den Berghügeln sieht man immer wieder geschützt liegende grüne Flächen. Jeder Meter Land, der fruchtbar ist, wird genutzt. Häuser, bzw. Hütten aus Lehm und Steinen liegen oft mehrere hundert Meter auseinander am Berg verstreut. Dazwischen irgendwo ein Schulgebäude und wo man nicht daran denkt, plötzlich winkende fröhliche Menschen, meistens Kinder. 2700-2800 m hoch, die Baumgrenze liegt unter uns. Wir können Schnee berühren. Es geht leicht abwärts. Hin und wider stehen Felshütten in denen Menschen hausen. Ab und zu kreuzen Ziegen und Schafe unseren Weg. Kann man damit hier noch überleben?

 Nach einer Ortschaft, bereits 100 km hinter Azillal Pause. Die Entfernung zum W-Point auf dem GPS ändert sich nur unmerklich. Allmählich reicht es eigentlich. Schließlich liegen 75 km Piste hinter uns. Doch die Kathedrale ist noch nicht erreicht. Der Weg steigt an und wird schlechter. An einer Bachdurchfahrt bleibt Arno mit dem Koffer am Fels hängen. Reparaturpause. Die Nomaden schauen mit großen Augen, denken, dass Arno verletzt sei und wundern sich sicherlich, als sie seine Prothese sehen. Ziegen klettern eine fast senkrechte Felswand hinauf. Die Hirtin springt wie eine Gämse hinterher. Sie packen zusammen, die Wäsche auf den Esel, Kind auf den Rücken, Großvater mit Stock vorneweg und verschwinden um die Ecke. Wer weiß wohin, vielleicht in eine der bewohnten Höhlen am Berghang.

Bei km 120 treffen wir auf 2 Franzosen, die mit dem Fahrrad und einem Geländewagen unterwegs sind. Da es bereits auf 18 Uhr zugeht und die kräfte nachlassen, fragen wir nach der Strecke und einer Unterkunft. In einem neu errichteten Gite d`Ètape, einer Art Gruppenunterkunft, kommen wir unter. Den Besitzer müssen wir jedoch zuvor im Ort auftreiben. Das Haus, noch nicht ganz fertig, liegt etwa 1 km vor dem Ort. Wenn man aus den Bergen kommt, sozusagen unterhalb der Kathedrale. Malerisch zwischen Bäumen am Bach gelegen inmitten der Natur. Ein Wasserlauf, der eine Mühle antreibt geht unmittelbar an der Terrasse vorbei. Für 30 Personen ausgelegt mit Küche, mehreren Schlafräumen, sauberen neuen Toiletten und sogar mit einem Hammam, einem Dampfbad. Wie üblich sind wir die einzigen Gäste. Das Abendessen bereiten wir in der Küche selber zu. Frisches Brot, extra für uns gebacken, bringt der Besitzer. Mit dem Dorflehrer und mehreren Arbeitern kommt schnell ein interessantes Gespräch zustande. Von ihnen erfahren wir einiges. So kann man von diesem Ort aus einiges Unternehmen. Bei der Kathedrale gibt es Höhlen, die zu besichtigen sind. Innerhalb eines Tages kann man den Berg überqueren und gelangt in die Dadesschlucht. Das einzig Negative, das man hier erwähnen muss: Von Ait Mehammed sind es ca. 100 km Piste und nach der anderen Seite ca. 30 km Piste bis zur Teerstraße, und diese 30 km sind mehr als saumäßig schlechte Piste. Bei Regenwetter nur mit Allradfahrzeugen mit viel Bodenfreiheit zu erreichen. Für uns mit dem ganzen Gepäck ein richtiges Stück Arbeit.

 

Dienstag 23. April

Ein reichhaltiges Frühstück ist eine gute Grundlage für die kommenden 30 km. Hammerhart ausgefahrene Spuren, einmal mit Steinen befestigter Lehm, dann mit Lehm befahrbar gemachte Steinwüsten und im nächst größeren Ort eine Straßenbaustelle. Nicht wie in Europa üblich mit vielen Maschinen und Lkw. Manpower ist gefragt. Ca. 15 Arbeiter befestigen die Straße mit Steinen, einer Packlage. Diese werden aus der angrenzenden Böschung herausgebrochen, per Schubkarre transportiert und direkt eingebaut. Peilen, Anlaufnehmen und drüber.

Einen solch dreckigen Ort haben wir noch nicht gesehen. Längsrillen, in die man nicht hineingeraten darf und jede Menge Müll. Aber die Leute sind freundlich, die Kinder winken. Noch 15 km zum Teil schwere Piste bis zur Straße. Dann ist es gepackt. Um einpar Berge herum Richtung Ouaouizarht gibt es eine großartige Aussicht, der Stausee liegt vor uns im Tal. Um ihn herum bis nach Beni Mellal. Über fruchtbare Gegenden ab Richtung Fes. Auf diesen 300 km hat der Wettergott kein Erbarmen. Entfliehen wir erst noch dem Regen, so werden wir später geduscht und mit Hagelkörnern weichgeklopft. Ob es am Wetter oder an den Fahrzeugen liegt, wir passieren mehrere Unfallstellen. Ein Lkw hat sich seitlich der Straße auf einen 2 m hohen Felsbrocken aufgebockt. Aber die Straßen sind im nassen Zustand mehr als hochachtungsvoll. Wir passieren Städte wie Ifran, fast europäisch im Aussehen. Fes ist ebenso, wenn man am Flughafen vorbei hineinkommt. Quartier nehmen wir im Hotel Ibisa am Bahnhof.

 

Mittwoch 24.April

Side-seeing Tour Altstadt Fes. Arno unser Gehbehinderter geht auf eigene Faust. Mit dem Taxi fährt er bis zur Medina. 200 m Fußweg machen ihn fertig. Deswegen hat er für den Rückweg einen Esel gechartert, wie er später berichtet. Er wollte nur einige Eisensachen, die ja in Fes hergestellt werden erwerben.

 Der Rest von uns ist mit einem Taxi bis unter die Altstadt gefahren. Von dort aus haben wir dann das Viertel erkundigt, nachdem wir die Möchtegernfremdenführer abgeschüttelt, bzw. weggejagt haben.

Fes ist gegenüber Marrakesch wieder anders vom Baustil her. Enge Gassen am Berghang mit teilweise reich verzierten Bauten. Geschäfte von 2- 3 qm Größe sind keine Seltenheit. Interessant war ein Handwerker der Bronzeteller mit Meißel und Körner verzierte. Sagenhaft schöne Arbeit. Drei Tage braucht er für einen Teller von 20 cm Durchmesser.

Typisch für Fes ist auch das Gerberviertel. Im Sommer sicher nichts für empfindliche Nasen. Vom Aussehen her wird dort noch wie im Mittelalter gearbeitet. Dementsprechend sind auch die Arbeitsbedingungen. Den typischen Patron fanden wir bei einem Getränkegroßhandel. Auf dem Stuhl vor einem Stapel Colakisten sitzend, zählte er was raus ging und kassierte seine Leute ab. Zwei waren mit Eseln, die mit Kisten bepackt waren unterwegs, ein Dritter hatte eine Art Lastenmofa, eine Ladefläche 1,2x1,2 m mit 2 Rädern darunter, dahinter ein Mofahinterteil als Antrieb. Neuerungen gibt es auch in Fes. So war ein Wasserträger im bunten Kostüm zu sehen, die man sonst nur in Marrakesch findet. Soweit Fes.

Der Nachmittag führte uns über 220 km durch das Rif –Gebirge mit seinen Wäldern und Straßen die teilweise über Bergrücken gehen bis vor Chefchauen in ein kleines aber originelles Hotel, das durch Zufall wieder einmal gerade an der Straße lag, als es dunkel wurde.

Zu erwähnen bleibt noch, dass im Rif auffallend viele Leute am Straßenrand waren, die zum Anhalten animieren wollten um Kif zu verkaufen. Hanffelder aus denen Haschisch gewonnen wird waren zahlreich an der Straße zu sehen. Vom Straßenzustand her kann man nur raten, nicht im Dunkeln zu fahren, denn es waren gerade im Rif sehr viele, teilweise auch große Schlaglöcher in der Straße.

 

Donnerstag 25. April

Das letzte Stück Afrika. Heute geht es nach Europa bis Malaga zum Campingplatz. Auch die Zeitumstellung, durch die Sommerzeit werden wir 2 Stunden später sein, müssen wir berücksichtigen. In Malaga beschließen wir unseren Ausflug mit einem köstlichen Abendessen in einem spanischen Restaurant. Morgen geht es heimwärts mit Auto und Anhänger.

 

Fazit:

Johannes: Eine schöne abwechslungsreiche Tour liegt hinter uns. Marokko im Frühling ist eine sehr schöne Landschaft. Die Erfahrungen, die ich auf dieser meiner zweiten Marokkotour gemacht habe, machen mich sicher, dass dies bestimmt noch nicht das letzte Mal war. Marokko ich komme bestimmt noch mindestens einmal zurück. Vielen Dank für die Gastfreundschaft und die vielen schönen Stunden, bei denen wir uns so gut unterhalten haben.

Vielen Dank auch an Erich, der viel für die Vorbereitung gemacht hat. Danke auch an Arno, der mit Erich für viele Bilder sorgte und  alles Gute für seine Gesundheit.

 
   
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